FranzVonSickingen

Geschichte des Rittertums

Ritter - das klingt nach Spannung und Abenteuer, nach der Eroberung fremder Gebiete und nach aufregenden Turnieren. Die Glanzzeit des Rittertums lag zwar im Mittelalter, zwischen dem 8. und dem 15. Jahrhundert, die Helden in glänzender Rüstung haben aber bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. So verkleiden sich noch heute Kinder zur Fasnacht gerne als Ritter und spielen in aufwendig gearbeiteten Fastnachtskostümen die Abenteuer ihrer Idole nach.

Fränkische Panzerreiter gegen die muslimische Übermacht

So heldenhaft und glänzend wie in unserer Vorstellung oder wie in den zahlreichen Ritterromanen und -filmen war das Leben im Mittelalter allerdings nicht. Die Geschichte des Rittertums beginnt in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Christus, als muslimische Eroberer unter den christlichen Völkern im westlichen Europa Angst und Schrecken verbreiten. Spanien ist bereits erobert worden, das restliche Europa sucht nach einem Weg der Verteidigung. Die muslimischen Kämpfer bestechen vor allem durch ihre Streitkräfte zu Pferd, die den Fußtruppen der europäischen Reiche haushoch überlegen waren. Der fränkische Kanzler Karl Martell richtete daher eine eigene berittene Truppe ein - zu ihrem Schutz mit Panzerrüstung versehene Reiter. Die so genannten Panzerreiter bestritten mehrere siegreiche Schlachten gegen die arabischen Mauren und spielten auch bei der Rückeroberung Spaniens eine tragende Rolle.

Vor allem Frankreich setzt die Panzerreiter in kriegerischen Auseinandersetzungen nun verstärkt ein. Im 9. Jahrhundert n. Chr. überfallen die Wikinger als neuer Schrecken Westeuropa, gegen Ende des Jahrhunderts stellen die Ungarn eine neue Bedrohung dar. In beiden Kämpfen sind es wieder die Panzerreier, welche die Gegner vernichtend schlagen können.

Ritter zu sein, bedeutet zu dieser Zeit einen enormen finanziellen Aufwand. Bezahlt werden müssen sowohl die Rüstung als auch ein gut ausgebildetes Pferd. Die Ritterschaft setzt sich zu diesem Zeitpunkt aus freien Rittern zusammen, die von ihren Lehnsherren rekrutiert wurden, wie aus Unfreien.

11. Jahrhundert: Wendepunkt für die Ritterschaft

Die Geschichte der Ritterschaft erfährt im 11. Jahrhundert eine bedeutende Wende. Bis dahin waren Ritter eher rohe Haudegen, bereit zur Gewalt. Mit der so genannten Gottesfriedenregelung der Kirche ändert sich dies; wer nun Ritter sein will, muss bestimmte Tugenden einhalten. Die Ausbildung zum Ritter beginnt für Knaben bereits ab dem 7. Lebensjahr. Die Jungen dienen einem erfahrenen Ritter als Knappe und lernen am Hofe die höfischen Sitten. Mit 21 Jahren steigt ein Knappe dann in den Ritterstand auf, was mit dem bekannten Ritterschlag symbolisiert wird.

Der Niedergang der Ritterschaft beginnt im 14. Jahrhundert, als niederländische und schweizerische Fußtruppen und Bauern den Rittern schwere Niederlagen beibringen. Vor allem die Schweizer Hellebarden werden zu einem gefährlichen Gegner für die Ritter. Im 15. Jahrhundert schließlich siegt die Schweiz über die Rittermacht Burgund und besiegelt so den Untergang des Rittertums. Die Erfindung des Schießpulvers und die Entwicklung immer neuer Schusswaffen tut ihr Übriges.