Das Mittelalter
Das Mittelalter war die Blütezeit der ritterlichen Streitkräfte. Zwischen dem 6. und dem 15. Jahrhundert gab es keine gefürchteteren Kämpfer als die berittenen und gepanzerten Ritter. Heute dienen prächtige Ritterburgen und standfeste Bauwerke als letzte Zeugen der vergangenen Epoche. Sie regen unsere Fantasie an über reiche Adelige, die mit Burgfräulein und Rittern zusammensaßen, ein reiches Mahl und Äpplewoi genossen und fremde Reiche eroberten. Ganz so glamourös war das Mittelalter in Wirklichkeit jedoch nicht.
Das Frühmittelalter
Der Begriff Mittelalter beschreibt vor allem die europäische Entwicklung vor der Reformation durch Martin Luther. Der Beginn des Mittelalters, das so genannte Frühmittelalter, wird im Allgemeinen auf das 6. Jahrhundert n. Chr. festgelegt. Im Westen und Norden Europas markiert der Einfall der Langobarden 568 in Italien das Ende der Völkerwanderung und den Beginn des neuen Zeitalters; die Datierungsansätze sind allerdings nicht immer einheitlich.
Kennzeichnend für das Frühmittelalter ist die fortschreitende Christianisierung Europas. Vorherrschende Macht über das westliche Europa wird Frankreich, dessen König Chlodwig um 500 herum mitsamt aller seiner Untertanen zum Christentum übertritt. Zum ruhmreiche Herrscher, vom Papst zum römischen Kaiser aller Nationen gekrönt, wird Karl der Große. Mit seinem Tod beginnt allerdings der Zerfall des Frankenlandes in das westliche Frankreich und das östliche Heilige Römische Reich, auf dessen Gebiet später Deutschland entsteht.
Im Frühmittelalter sehen sich die west- und nordeuropäischen Staaten viele Bedrohungen gegenüber: Zunächst erobern die Mauren Spanien, im 9. Jahrhundert fallen die Wikinger und die Ungarn in die westlichen Gebiete ein. Diese Ereignisse markieren den Beginn des Rittertums; die so genannten Panzerreiter können die Angriffe siegreich zurückdrängen.
Das Hochmittelalter: Blüte der Ritterschaft
Im anschließenden Hochmittelalter erleben das Rittertum und das höfische Leben ihre Blütezeit. Lebte die Bevölkerung Europas in den vorangegangenen Jahrhunderten vor allem vom Ackerbau, beginnen sich nun Handwerk und Handel zu etablieren. Zur Blüte der Ritterschaft tragen die Kreuzzüge nach Jerusalem bei; diese sind zwar durch schwere Schlachten auf den arabischen Gebieten gekennzeichnet, eröffnen den Europäern aber auch neue Handelswege.
Nicht nur in den Kreuzzügen macht sich der große Einfluss der Kirche auf das Leben der Menschen bemerkbar. Die Kirche gilt als höchste moralische Instanz; doch durchläuft sie in dieser Zeit auch einen stetigen Wandel und einen Streit mit der weltlichen Obrigkeit, der sich durch die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste genauso deutlich macht wie durch die Entstehung christlicher Laienorden.
Das Ende des Mittelalters
Das Spätmittelalter schließlich ist von mehreren schweren Krisen gekennzeichnet: Die Kreuzzüge gehen endgültig verloren, die Pest wütet in Europa und löscht große Teile der Bevölkerung aus, und der Hundertjährige Krieg tobt zwischen Frankreich und England. Das Ende des Mittelalters stellt nach allgemeiner Auffassung die Reformation durch Luther dar, welche in die Zeit der Erfindung des Buchdrucks und der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus fällt.